Wissen müssen? Ja, bitte!
Quizsendungen im TV sind beliebt. Was gibt es schöneres, als sich gemütlich auf dem Sofa zu lümmeln und über die vermeintliche Dummheit der Kandidaten zu lästern oder auch mal über das ebenfalls vermeintliche Wissen selbiger zu staunen. Normalerweise macht aber eher das Nichtwissen Schlagzeilen, wie gerade Heute z.B. wieder:
“Eine neue Studie hat bei Jugendlichen in den USA massive Mängel in der Allgemeinbildung zutage gefördert.” -> Quelle
Laut dem Artikel können 17-Jährige Amerikaner, und ich denke, dass das nicht nur ein amerikanisches Phänomen ist, Figuren wie Hiob oder Gestalten wie Ödipus nicht korrekt zuordnen. Mehr als ¼ der jugendlichen ist davon überzeugt, dass Kolumbus erst nach 1750 Amerika entdeckt hat. Auch der amerikanische Bürgerkrieg konnte von knapp der Hälfte der befragten auf der Zeitachse nicht richtig eingeordnet werden und die Rolle von Adolf Hitler in der Weltgeschichte ist teilweise komplett unbekannt. (An dieser Stelle sei dem Leser Zeit gegeben, um dramatisch den Kopf zu schütteln um damit Unverständnis zu symbolisieren…4…3…2…1)
Nur, wieso ist es denn so wichtig zu wissen, wer Hiob, Hitler oder Ödipus war oder die genaue Jahreszahl zu kennen, an der Kolumbus dachte, einen neues Seeweg nach Indien gefunden zu haben? Um diese Frage beantworten zu können, muss man erst verstehen, welche Ziele eine “gute” Allgemeinbildung Heutzutage verfolgt:
Wikipedia.de macht dazu einige interessante Angaben:
“Allgemeinbildung ist das, was man braucht, um sich als Mensch zu entwickeln und um Spezialkenntnisse sinnvoll zu erwerben und einzusetzen. Allgemeinbildung ist also Rahmen und Fundament des Spezialwissens.”
Und
“Allgemeinwissen kann … als das Wissen definiert werden, das jeder Mensch braucht um sich in der Welt zu orientieren”.
Auf Wissen.de findet man folgendes zum Thema:
“Allgemeinbildung = umfassende, viele Bereiche berührende Bildung”
Sucht man noch zusätzlich im Internet nach Definitionen von “guter Allgemeinbildung”, findet man z.B. auf der Homepage der Stadt Bielefeld (D) zusätzliche Aussagen zum Mehrwert von guter Allgemeinbildung:
“Qualifizierte Allgemeinbildung und berufliche Aus- und Weiterbildung sind langfristig für die Wirtschaft und Gesellschaft von entscheidender Bedeutung.”
Stern.de fasst die Resultate einer Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der neuen Zeitschrift “GEOkompakt zum Thema “gute Allgemeinbildung” folgendermaßen zusammen - Gute Allgemeinbildung macht sexy - und zeigt anhand der Ergebnisse gleich auf, wie gute Allgemeinbildung zusammengesetzt sein muss:
“Man muss über das laufende politische Geschehen, das politische System und die darin handelnden Personen informiert sein (33 Prozent) und sich in der Geschichte auskennen (26 Prozent). Auch solide Kenntnisse in den Naturwissenschaften wie Physik, Chemie und Biologie gehören für fast jeden Vierten (23 Prozent) zu einer ordentlichen Allgemeinbildung.”
Schauen wir die Ursprungsfrage an dieser Stelle noch mal an. Wieso ist es denn so wichtig zu wissen, wer Hiob, Hitler oder Ödipus war? Nur um über das laufende politische geschehen informiert zu sein? Oder nur um extrem sexy zu wirken oder von grossem Nutzen für den Staat oder Privatwirtschat zu sein und den Stempel Erfolgreich zu verdienen? Nein, bestimmt nicht, auch wenn das oft als Begründung herhalten muss.
Eine gute Allgemeinbildung sollte etwas viel Wichtigeres ermöglichen: “Eine wirkliche Allgemeinbildung muss auch die kritische Reflexion der gesellschaftlichen Zustände und der eigenen Lebenswirklichkeit vermitteln und auf Mündigkeit zielen.”, wie es der Deutsche Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno in meinen Augen so treffend formuliert hat. Und genau das ist es, was ich neben all der Spezialisierung vermisse und diese Jugendliche vielleicht auch.
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Wenn ich auf der Suche bin nach einem neuen Thema bin, über das ich mir zwischendurch den Kopf zerbrechen kann, lasse ich mich gerne vom allmächtigen Google inspirieren und tippe auch schon mal folgende Suche ein:”die grössten Fragen der Menschheit”. Denn wenn man sich schon ernsthaft und freiwillig den Kopf zerbrechen möchte, dann wenigstens zu den wirklich wichtigen Themen.
Jetzt, wo die grossflächige Propaganda des Staates bei mir endlich Wirkung gezeigt hat und ich mit dem Rauchen aufgehört habe und wieder mehr auf mein Gewicht achte, muss ich folgende verwirrende Schlagzeilen über mich ergehen lassen:
Sind sie der Meinung, dass etwas zu schnell zu fahren, in der Nichtraucherzone zu rauchen oder einem Fussgänger den Vortritt zu verweigern sei ihr gutes Recht? Das der Blinker eine Erfindung für Weicheier ist? Das die Scheisse von ihrem Hund jemand anderes wegmachen soll, da sie selbst viel zu gut dafür sind? Geht es ihnen am Arsch vorbei, was mit den Scherbenresten auf dem Kinderspielplatz von den zerschlagenen Flaschen ihrer letzten Sauforgie am Wochenende passiert? Machen sie für Schwangere oder Betagte im Bus extra keinen platz, weil sie der Meinung sind, dass diese ja schliesslich nicht unbedingt mitten im Stossverkehr die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen müssen? Wenn sich jemand an ihrer Zigarette verbrennt ist derjenige grundsätzlich selber Schuld, da er ja schliesslich besser aufpassen könnte? Verprügeln sie schon mal Schwächere nur so zum Spass? Rauchen sie in Gegenwart von Kindern in geschlossenen Räumen? Halten sie jemanden für dumm und weniger wert, nur weil er ihre Sprache nicht perfekt beherrscht? Machen sie Witze über Spendenaufrufe für hungernde afrikanische Kinder in Fernsehen? Spucken sie gern mal auf die Strasse? Lassen sie ihren Abfall vom Mittagessen im Freien dort liegen wo sie gerade gegessen haben? Kennen sie hauptsächlich Witze über fremde Ethnien und erzählen diese gern und oft weiter? Sind sie der Meinung, dass ihre Religion die einzig wahre ist und alle die nicht derselben Meinung sind bekehrt oder getötet werden sollten? Sind sie alleine anhand der Tatsache stolz auf ein Land, nur weil sie zufällig dort geboren wurden? Halten sie einen Krieg für eine unter umstände gerechtfertigte Problemlösungsstrategie? Denken sie, dass physische oder psychische Gewalt wichtige und tolerierbare Werkzeuge bei der Erziehung von Kindern sind? Glauben sie vielleicht, betrunken cooler, witziger oder immer noch ein guter Autofahrer zu sein? Heizen sie gerne eine Streit noch zusätzlich an, nur um zu sehen, wie er eskaliert? Empfinden sie Kinder generell als lästig? Glauben sie, dass gewisse Ethnien oder Geschlechter weniger Rechte haben als sie selbst? Denken sie, dass die Jagt auf vom aussterben bedrohte Tierarten unter umständen gerechtfertigt ist? Das die intoleranten Nachbarn ihren Wunsch nach lauter Musik mitten in der Nacht gefälligst tolerieren sollen?
Ganz kostenlos und ohne Hintergedanken möchte ich den Rauchern Heute endgültig mal den einzig wahren Weg zum Nichtraucher aufzeigen. Denn die lieben Raucher werden nach Strich und Faden verarscht. Im Namen der Gerechtigkeit, dass muss aufhören!